Patrons éditorials

flüssig, geistig und gespenstisch
Er ist der Geist in der Flasche. Eine geistige Essenz, die uns ganz körperlich erfüllt, was erklärt, weshalb die Spirituose und die Spiritualität nicht nur wortgeschichtlich verschwägert sind. Der Begriff selbst geht auf das arabische „al-kuhl“ zurück, seine Ausbreitung im christlichen Europa verdankt sich der islamischen Herrschaft auf der iberischen Halbinsel. So brachten die nüchternen Araber die trinkfreudigen Europäer erst auf den alkoholischen Begriff.
Erst allmählich wird der chemische Stoff Ethanol zum „alkohol vini“ (Paracelsus) und verdrängt damit das existentielle Wasser als bildstiftende Substanz. Was zuvor „aqua ardens“ oder „aqua vitae“ war, wird nun Alkohol, Weingeist, Spiritus. Noch im Kirsch- oder Feuerwasser, im Aquavit oder dem Wasser des Lebens (Whisky) schwingen diese Begrifflichkeiten nach.
Alkohol ist Geschmacksträger und Lebergift, hat belebende, betäubende und zerstörerische Wirkung. Er ist Bote von Genuss und Rausch und trägt die Botschaft von Leid und Tod doch in sich. Deshalb gilt er als gespenstischer Geist, eben als der unheilige und nicht der heilige. Allein deshalb wird gerne verdrängt, dass er auch ein Spiritus Rector des Abendlandes ist.
Der Klassiker von Francis Scott Fitzgerald scheint so aktuell wie nie. Gleich in vier neuen Übersetzungen ist der Roman „Der große Gatsby“ in den vergangenen Monaten erschienen. Es wird also Zeit, sich die besten Verfilmungen dieses Jahrhundertromans anzusehen. Eine Revue.
Die Aussicht auf den Weltuntergang ist ein guter Grund, einen Drink zu nehmen, wie uns der Campari Kalender 2012 vor Augen führt. Das Konzept des inszenierten Weltenendes macht Milla Jovovich zur Melusine der Sintflut und den Kalender zur Flaschenpost mit Markenbotschaft.

Bitter oder aromatisch – nur der echte Hopfen eignet sich zum Bierbrauen
Peter Richter folgt der Spur des Alkohols durch Kultur und Geschichte des Abendlandes: kurzweilig, pointiert und mit gehörig viel Prozent Hintersinn. Denn ein Bekenntnis zu Alkoholgenuss und Rausch verlangt heutzutage nach Komik, um ernst genommen zu werden.
Patrons éditorials Dieter Müller
Herausgeber Dr. Nikolai Wojtko