Nur eine der über 5000 Birnensorten

Nur eine der über 5000 Birnensorten | © und Quelle: Wikipedia

Gemeinfrei, commons.wikimedia.org/w/index.php

Birne

Sortenvielfalt des Rosengewächses

Von Abate bis Madame Verté

Wer soll sich da noch auskennen. Das „Illustrierte Handbuch für Obstkunde“ aus dem Jahr 1860 weist mehr als 260 Birnensorten aus, wobei sorgsam die Sommer-, Herbst- und Winterbirnen unterschieden werden. Doch dies ist erst die Spitze des Birnenberges.

Schon im 17. Jahrhundert verzeichnete man allein in Frankreich rund 300 Birnensorten, dabei hatte die beliebte „Madame Verté“ als Birne eine ganz lebendige Namenspatronin, wohingegen die „Abate“ erst spät, genau genommen in unserer Zeit, zur Prinzessin der Rosengewächse aufstieg. Im 19. Jahrhundert, 200 Jahre nach „Madame Verté“ unterschied man – dank einer Vielzahl neuer Züchtungen – bereits 1000 Sorten. Mittlerweile schätzt man, dass es rund um den Globus etwa 5000 Birnensorten gibt. Kulinarisch gesehen eine unvorstellbare Zahl: Würde man jeden Tag eine Birne essen, bräuchte man fast 14 Jahre, um alle Sorten einmal gekostet zu haben.

Kulturhistorisch ist die Birne ein enger Begleiter des Menschen und der Geschichtenerzähler. Bereits Homer weiß von der Birne zu berichten. Und während Cato schon mehrere Sorten unterscheidet, zählt Plinius der Ältere – dem wir auch die Redensart „In vino veritas“ verdanken – immerhin schon an 40 Birnensorten auf. In jüngerer Zeit ist nun selbst das Rezept der „Birne Helene“ Inspiration für den Titel eines wunderbaren Romans: „Birne sucht Helene. Eine kulinarische Liebesgeschichte“ von Carsten Sebastian Henn.

Inspirierend ist auch die Vielfalt ihrer Verwendung. Als Obst, Obstbrand, Kompott, Kuchenbelag, Dessert, Saft und Schokoladenfüllung ist die Birne eine regelrechter Widerkehrer in der Küche und auf dem Tisch. Einige Gerichte wie das Norddeutsche „Birnen, Bohnen und Speck“ wären ohne Kochbirnen so wenig denkbar, wie die Zähmung der Bitterstoffe des Grünkohls.

Doch trotz der mannigfachen Sortenvielfalt, eines verbindet reife Birnen: ihr zarter Duft, den sie verströmen, bevor sie zu reif werden. Hier zeigt sich ihre Zugehörigkeit zu den Rosengewächsen ganz offensichtlich.

Für Sie gelesen
Carsten Sebastian Henn: Birne sucht Helene. Eine kulinarische Liebesgeschichte. Ullstein Taschenbuch 2012

Bei Amazon zu erwerben

 

 

Mehr auf Tartuffel

Nährendes Rosengewächs

Gab der Marmelade ihren Namen

Familie der Rosengewächse

Ein Biss Erkenntnisgewinn

Das normannische Loch

Regionale Spezialität mit therapeutischen Freuden

Sagengestalt als Namenspatronin

Die lange Tradition des Cidre

Grundlegendes nicht für Anfänger

Begründer der modernen Haute Cuisine

Was alles im Granatapfel steckt

Fruchtbare Vielfalt zum Sonnenaufgang