Gekörnte Brühe selbst gemacht

Gekörnte Brühe selbst gemacht | © Kerstin Getto

Brühe

Unsere Gastautorin Kerstin Getto berichtet über eine Kleinigkeit von großer Bedeutung und liefert Anregungen und Rezept gleich mit.

Die Brühe und ich

Früher habe ich mir über Brühe keine Gedanken gemacht. Warum auch? Es war praktisch, welche zu kaufen. Aber auf ein Mal war ich Mutter und habe alles in Frage gestellt, was ich zuvor aus purer Bequemlichkeit niemals hinterfragt hatte.

 

Aber für den Nachwuchs will Frau ja alles richtig machen und selbstverständlich nur das Beste. Schon in der Schwangerschaft setzte ich mich intensiv mit Nahrungsmitteln und deren Inhaltsstoffen auseinander. Zu diesem Zeitpunkt habe ich viele Produkte aus meiner Küche verbannt. Als dann die erste Beikost ins Haus stand, fiel mir ein Glas gekörnte Bio-Gemüsebrühe in die Hände. Die Zutatenliste lies mich erschaudern, sollte ich mir oder gar meinem Kind etwas zubereiten, dessen Inhaltsstoffe ich nicht kenne? Keinesfalls. Also beschloss ich, meine eigene gekörnte Brühe herzustellen.

Inhaltsstoffe frei gewählt

Für meine ersten Versuche verwendete ich klassisches Suppengemüse wie Lauch, Knollensellerie, Möhren, Zwiebel und Petersilie. Alles hauchdünn gerieben oder geschnitten und im Backofen getrocknet, dann zusammen mit Salz und Pfeffer fein zerkleinert in Gläser abgefüllt. Nach und nach habe ich die Zutaten angepasst, Gemüse verwendet, das gerade Saison hat, den Geschmack und die Kraft mit ein wenig Arbeit und Sorgfalt kompakt auf einen Löffel gebracht: pur und intensiv.

So habe ich immer meine persönliche gekörnte Brühe im Haus, regional, saisonal und ganz ohne Hefen, Geschmacksverstärker und sonstige Zusatzstoffe. Ich verwende sie als Basis für Suppen oder Saucen, da das Aroma keinesfalls aufdringlich ist und den Speisen eine wunderbare, vornehme Tiefe verleiht.

Auch in einem bei uns in der Pfalz üblichen klaren Kartoffelsalat ohne Mayonnaise glänzt die Brühe ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Das gebündelte Gemüsearoma unterstützt den Eigengeschmack der Zutaten ohne sie zu übertünchen. So wird aus einfachsten regionalen Produkten ein Genuss!

Nach anfänglichen Unsicherheiten bei der Zubereitung stellte sich bei mir schnell der Spaß am Ausprobieren ein. Neben den üblichen Zutaten verwende ich hin und wieder frische Chili, Ingwer, Pastinake, Knoblauch oder Petersilienwurzeln. Erlaubt ist, was gefällt und schmeckt.

Die gastrosophische Lehre, die wir aus der hausgemachten Brühe ziehen können, ist der Umstand, dass nicht eine Zutat zu gering ist, um nicht mit Sorgfalt und Liebe hergestellt zu werden. Verblüffend aber ist es, wie normal wir es ansehen, solche Produkte fertig zu kaufen, anstatt sie selber zu machen. Kochen, sagte einmal Eckart Witzigmann, ist die Summe vieler "Kleinigkeiten" von ungeheurer Wichtigkeit. Das können wir bei einer hausgemachten Brühe schon riechen: mmmhhh! Wie das duftet! Darauf kann man aufbauen!

Hier geht es zum Foodblog unserer Gastautorin.

Das komplette Rezept für die gekörnte Brühe finden Sie ebenfalls im Foodblog.

Autorin: Kerstin Getto

Mehr auf Tartuffel

flüssig und grundlegend, hell oder dunkel

Lässt den Wert der Zeit schmecken

Früher gab es Folianten für notarielle Zwecke, heute die kulinarische Bibel von Yannick Alléno. Alle, denen der Name nichts sagt, oder die beim Preis...

Saucen sind das verbindende oder kontrastierende Element

Krönung und Basis der Kochkunst

Asparagus officinalis – Der Gemüsespargel

Frühlingsgefühle

Mentha piperita ist der primus inter pares

Der Youngster unter den Minzarten

Wanderjahre sind unentbehrlich, um neue Eindrücke und Ideen zu entwickeln, um andere Techniken und kleine Details zu erlernen. So hatte ich das Glück,...

Feuer geborenes Urgefäß

Ein Topf ist ein Topf ist ein Topf

Was alles im Granatapfel steckt

Fruchtbare Vielfalt zum Sonnenaufgang

Ein großer politischer Empfang ist ohne ein stilvolles Dinner kaum vorstellbar. Und wenn man Diplomaten anderer Länder von der Kunst des Kochens...