Ohne Zutaten kein Gericht, ohne Geistträger keine Gastrosophie

Ohne Zutaten kein Gericht, ohne Geistträger keine Gastrosophie | © photocase; Foto DocStein

Buch

Die gastrosophische Genese des Buchdrucks

Ohne Wein kein Buch

Bekanntlich wurde der Buchdruck in Mainz am Rhein erfunden. Weit vor die Zeit der Erfindung der beweglichen Lettern reicht die Tradition des Weinbaus entlang dieses „edlen Flusses“ wie Victor Hugo formulierte. Begibt man sich von Mainz rheinaufwärts nach Straßburg, kommt man in den Genuss unterschiedlichster Weine.

Entlang des Flusses reihen sich – mal in direkter Ufernähe, mal mit etwas weiterem Abstand – Anbaugebiete wie das Rheingau und Rheinhessen, die Pfalz und Baden.

Etwa um 1434 begab sich Johannes Gensfleisch von Sorgenloch, später bekannt als Johannes Gutenberg, auf diesen Weg. Geboren um 1400 in Mainz, verbrachte er einige Jugendjahre in Eltville im Rheingau, um später in Straßburg als Münz- sowie Goldschmied und technikinteressierter Geschäftsmann zu arbeiten. Mehre Jahre später kehrte er in seine Geburtsstadt zurück und „erfand“ den Buchdruck.

Es mag also auf einer seiner Reisen entlang des Rheines gewesen sein, dass er auf die Weinpresse aufmerksam wurde. Dabei erkannte er in ihr nicht nur die Möglichkeit, leicht Wein zu pressen, sondern dass der Mechanismus auch dazu geeignet war, auf andere Dinge Druck auszuüben. Seine Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern revolutionierte die damalige Welt. Nicht umsonst sprach der bekannte Medientheoretiker Marshall McLuhan davon, dass mit dem Buchdruck ein gänzlich neues Medienzeitalter geboren wurde, die Gutenberg-Galaxis. Das US-Magazin „Time Life“ wählte die Erfindung Guttenbergs zur bedeutendsten des 2. Jahrtausends.

Die Gutenbergbibel wurde ein Bestseller, direkt gefolgt von einem Buch, das binnen weniger Jahre mehrmals aufgelegt wurde, da es derartig reißenden Absatz fand. Es handelt sich hierbei um ein weltliches Buch: Das Kochbuch des Kochmeisters Hans. Es war so populär, dass man den Text seines ersten Rezeptes bis heute als Kinderlied kennt. Es beginnt mit den Zeilen: „Backe, backe Kuchen“.

Nur durch das Buch sind uns sowohl der Name des Kochs als auch seine Rezepte erhalten geblieben. Der Buchdruck mit beweglichen Lettern, diese bahnbrechende Innovation, mit  der die Neuzeit eingeläutet wird, ist die also gelungene Transformation einer kulinarischen Erfindung in eine technische. Die Weinpresse wird zur Buchpresse, das Rezept als Buch zum Bestseller und Kulturträger. 

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