Calvados

Das normannische Loch

Regionale Spezialität mit therapeutischen Freuden

„An apple a day keeps the doctor away.“ Die Normannen machen sich diesen englischen Kalenderspruch zu eigen machen, schwören Sie doch auf Ihren Calvados als Lebenselixier und als vorbeugende Medizin.  

 

Ein Glas Calvados gehört nicht nur zum Leben in der Normandie, es wirkt sich positiv auf Körper und Geist aus – so zumindest die einhellige Meinung der Leute, die den Calvados herstellen. Und die müssen es ja wissen. Vielleicht liegt es aber am Genuss von Calvados, dass man den Normannen nachsagt, sie seien vor Erkältungskrankheiten geschützt.

Calvados kämpfte lange mit dem Image, lediglich ein einfacher Bauernschnaps zu sein. Dabei ist Calvados eine wunderbare Spirituose. Erstmalig erwähnt wird das „Eau de Vie de Sydre“ in einer königlichen Konzession im Jahre 1553. Der Begriff Calvados wurde erst nach der französischen Revolution eingeführt. Durch die Revolution erhielt jeder Bauer, der eigenes Brennobst anbaute nämlich das Recht einer abgabefreien Schnapsherstellung, was schlagartig zu einer erheblichen Vermehrung des Apfelbaumbestandes in der Normandie führte. Noch heute lagern viele normannische Bauern ihr Familienerbe in Form großer Calvadosfässer oder auf Flaschen gezogenen Calvados aus vielen unterschiedlichen Jahren in den Kellern ihrer Höfe. Traditionell wird Calvados nur aus regional hergestelltem und extra länger gelagerten Cidre gebrannt. Hierbei sind insgesamt nur 48 verschiedene Apfelsorten zugelassen, wobei süße, bittere und saure Äpfel in einer geregelten Gewichtung zu mischen sind, um dem Calvados seinen typischen Geschmack zu verleihen.

Nach dem Rohbrand erreicht das „petit eau“ einen Alkoholgehalt von etwa 25 Prozent Volumen und wird vor dem Feinbrand noch einige Zeit gelagert. Der wasserklare Feinbrand gewinnt seine typische Färbung durch eine zwei bis sechs Jahre lange Lagerung in Eichen oder Kastanienfässern. AOC-Schutzsiegel gibt es für drei verschiedene Sorten: den „Calvados“, den „Calvados Pays d´Auge“ und den mit 30 Prozent Birnen hergestellten „Calvados Domfrontains“. Zusätzlich sind die Herstellungsprozesse klar über das Herstellungsgebiet definiert. Calvados ist eine regionale Spezialität.

Frisch gepresster Apfelsaft kann durch die Zugabe von Calvados am Gären gehindert werden. So entsteht ein wunderbarer Aperitif: der Pommeau.

Doch der Calvados ist nicht nur an sich ein Genuss. Er hilft auch beim Genießen. So wird gerne zwischen mehreren Gängen eines normannischen Menüs, welches traditionell reich an Butter und Sahne ist, ein „normannisches Loch“ gemacht. Man trinkt einfach zwischendurch einen Calvados, um den Appetit erneut anzuregen.

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