Granatapfel

Was alles im Granatapfel steckt

Fruchtbare Vielfalt zum Sonnenaufgang

Der Granatapfel ist die Superfrucht der Antike. Sein Name findet sich in Bibel und Koran, sein Loblied wird in der altpersischen Dichtung ebenso wie in Homers Epen gesungen. Punica granatum ist eine angestammte Zutat in Küche, Kultur und Mythologie des Abendlandes.

Schon die Blüte der späteren Frucht ist ein ästhetischer Genuss. Die Samen, das Fruchtfleisch, die Schale der Frucht, selbst Wurzel und Rinde des Granatapfelbaums zählen seit Jahrhunderten zum Inventar der Menschen rund ums Mittelmeer und in Teilen Asiens. Zuallererst in der Küche. Dort kommt der Saft zum Einsatz, das Fruchtfleisch, vor allem aber die aromatisch süßen Kerne selbst. Sie verzieren Desserts, kontrastieren erfrischend mit herben Salaten oder verleihen Saucen einen besondere Note – mitunter auch farblich. Denn aus Schale und Saft der Frucht gewinnt man Naturfarben, die seit hunderten von Jahren Orientteppichen ihr Gelb, Schwarz und dunkles Blau schenken. Auch medizinische Nutzen werden dem Granatapfel seit jeher zugeschrieben.

Es ist diese Vielfalt, die den Granatapfel – auch Grenadine genannt – zum frühen Kulturbegleiter des Menschen macht. So fragt schon ein türkisches Rätsel: „Außen eins, innen tausend und eins – was ist das?“. Der besondere Stellenwert lässt sich auch an den Wortprägungen von Punica granatum ablesen. Sowohl der Granat als Edelstein – wegen der rot leuchtenden Farbe – als auch die Granate – wegen ihrer Form – gehen auf die Frucht zurück. Bekannteste Namensstiftung aber ist wohl die Stadt Granada, die den Granatapfel zudem in ihrem Wappen trägt und dessen Darstellung im Stadtbild immer anwesend ist. Als das Königreich Granada an die katholischen Könige fiel, wanderte der Granatapfel in das Wappen der spanischen Könige. Noch in unseren Tagen ziert er die spanische Fahne.

In der Symbolik steht der Granatapfel seit der Antike für Schönheit. Denn das Urteil des Paris, der darüber richten sollte, welche der griechischen Göttinnen – Hera, Athene oder Aphrodite – die Schönste sei, wurde von ihm durch die Überreichung eines Granatapfels an Aphrodite entschieden. Darüber hinaus symbolisiert der Granatapfel Fruchtbarkeit. Dies geht wohl auf ein botanisches Detail zurück. Bis zu 400 Samen sind in der Frucht verborgen, die in ihrer Form an einen großen, leuchtend roten Apfel erinnert. Diese Vielzahl der Samen, das Viele, das in dem einen steckt – dieses Bild hat sich auch die christliche Kirche zu eigen gemacht. Für sie symbolisiert der Granatapfel die Gemeinschaft der Gläubigen. Symbolisch ist dem Granatapfel auch die Erotik eigen. Im Hohelied der Bibel versinnbildlicht er die Spannung von Verbergen und Entblößen: „Gleich dem Riss im Granatapfel schimmert deine Schläfe hinter deinem Schleier hervor". Und der Baum, auf dem Julia die Nachtigall wähnt, jedoch die Lerche hört, ist ein Granatapfel. Auch in Salvador Dalís „Traum verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel eine Sekunde vor dem Aufwachen“ knüpft an diese Symbolik an.

So geht es beim Granatapfel darum, was in ihm steckt: geschmacklich und gesundheitlich, symbolisch und wissenschaftlich. Denn erneut ist der Granatapfel wegen seines hohen Anteils an Polyphenolen und seiner antioxidativen Wirkung zur Superfrucht deklariert worden. Doch die Superfrucht empfiehlt sich auch profaner, mit deutlich mehr Life Style. Es ist der Sirup der Granatäpfel von der Karibikinsel Grenada, der in keinem echten Tequila Sunrise fehlen darf. In diesem vielfachen Sinne: Wohl bekomms.

 

 

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