Die unscheinbare Kichererbse verbindet Kochulturen

Die unscheinbare Kichererbse verbindet Kochulturen | ©: Chickpea grains“ von Eitan f - Eigenes Werk. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Kichererbse

Kulinarische Grenzüberschreitung

Gar nicht lächerlich

Sie ist die Grundlage der Falafel sowie des Hummus und schon allein damit ein verbindendes Element der Küchen des Nahen Ostens, wo diese schmackhaften Imbisse an jeder Straßenecke zu erwerben sind. Uns schmeckt sie allerdings immer noch anregend exotisch.

 

Ihr Name könnte verwirren, denn sie hat weder etwas mir der Erbse noch mit einer Belustigung zu tun. Die Kichererbse gehört zur Familie der Hülsenfrüchte und ihr deutscher Name geht auf das lateinische Wort „cicer“ zurück, was im Laufe der Zeit zu „Kicher“ eingedeutscht wurde. Da „cicer“ Erbse bedeutet, bezeichnet die Kichererbse also gleich zwei Dinge, mit denen sie nichts zu tun hat. Doch genug der Erbsenzählerei.

Älteste Funde der Kichererbse in der heutigen Türkei sowie dem vorderen Orient stammen aus der Jungsteinzeit. Die Frucht in der Hülse begleitet uns Menschen also schon eine sehr lange Zeit, denn noch bevor sie im Altertum rund ums Mittelmeer kultiviert wurde, diente sie den Menschen mittels Sammlung als Nahrung. Dabei liegt ihr Vorteil in der Anspruchslosigkeit, welche die Kichererbse an Boden und Feuchtigkeit stellt. So kann sie am besten in subtropischen Gegenden gedeihen, weshalb es nur folgerichtig ist, dass sich neben den Ländern rund ums Mittelmeer, die Hauptanbaugebiete der Kichererbse in Mexiko, Indien und Pakistan befinden. Für uns Bewohner der Nordhalbkugel nur auf den ersten Blick verblüffend, dass auch Australien am großen Kichererbsenrad dreht, denn selbstverständlich gibt es auf diesem riesigen Subkontinent nicht nur große Anbauflächen, sondern auch klimatisch optimale Voraussetzungen für die Kichererbsenproduktion.

Verbindungen

Vom vorderen Orient bis hin nach Nordafrika werden Kichererbsen gerne geröstet und wie Nüsse verzehrt. Hummus und Falafel bilden sicherlich die kulinarischen Grundlagen, um im Nahen Osten auf gemeinsame kulturelle Wurzeln zu verweisen: Hier sind sie abgrenzüberschreitend in aller Munde. Doch die Verwendung der Kichererbsen ist noch wesentlich vielfältiger: Man kann aus ihnen Eintöpfe zubereiten, Suppen und Püree. In Italien, Sardinien und Südfrankreich bereitet man aus ihnen eine Farinata, bzw. eine Socca, Cecina, Torta di Ceci, Calentita, Cade oder Panelle zu.  Schon die Vielzahl der Beschreibungen verweist auf die Beliebtheit dieses Gerichtes mit antiken Ursprüngen. Dabei ist die Zubereitung noch einfacher als die von Pizza. Man nimmt das Mehl von Kichererbsen, Olivenöl, Salz und Wasser und bereitet daraus Fladen, die man in einem holzbefeuerten (Pizza-) Ofen goldgelb werden lässt.

Auf Sizilien – kulinarischer Schmelztiegel der Küchen Europas, Afrikas und des vorderen Orients – wird dieses Gericht unter dem Namen Panelle in Öl frittiert als Zwischenmahlzeit angeboten. Und in Spanien sind „garbanzos“ angestammte Zutat für eine Reihe von Eintöpfen.

Da Kichererbsen neben einem Eiweißanteil von rund 20 Prozent auch über einen relativ hohen Anteil der essentiellen Aminosäuren Lysin und Threonin verfügen, sollte man auf eine breite Entdeckung der antiken Kichererbsengerichte hoffen. Ganz abgesehen vom Geschmack.

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