Messer

Trägt den Stein im Namen

Scharfe Sache – Messer

Im Messer gibt sich eine kulturhistorische Geschichte zu erkennen, die sich auf dem schmalen Grad der eigenen Klinge abspielt. Wie alles Essbesteck ist das Messer in erster Linie ein Werkzeug, das die Arbeit der Hand verfeinert.

 

Wer also ein Messer richtig einsetzen will, muss wissen, es richtig in der Hand zu führen. Im Idealfall des Könners verwandelt sich das Messer, es verschwindet – wie Profis es gerne ausdrücken – in der Hand. Dazu sind gute Messer gemacht. Sie stellen keinen Fremdkörper dar, sondern wollen in Einklang mit der Hand arbeiten. Sie verlangen nach der gleichen Intuition.

Etymologisch leitet sich das Wort Messer vom Indogermanischen Sax ab, was ursprünglich Felsen oder Stein bedeutet. Diese Wurzel, die in Sense, Sichel und Säge tragend ist, bewahrt das „Mes-ser“ immer noch in sich. Die Klinge ist also etymologisch betrachtet immer noch eine, die ihren Ursprung im Stein hat. Darin spiegelt sich, dass die Menschen seit Jahrmillionen Steine beschlugen, um sie als scharfe Werkzeuge im täglichen Leben zu verwenden. So war das Messer erst aus Stein, dann aus Bronze, später aus Eisen und Stahl, aber immer zugleich Werkzeug und Waffe. Bis heute spüren wir diese Ambivalenz, wenn wir ein Messer nur lang genug in Händen halten.

Wie schon seit Siegfrieds Tagen trägt das Messer – mehr noch die Kunst seiner Herstellung – einen Hauch von Mystik in sich. Zur Zeit der Nibelungen war es noch guter Brauch zu berichten, dass es die Zwerge seien, welche die unnachahmliche Kunst beherrschten, Metall mit Hilfe von schwarzen Steinen in unzerbrechliches Eisen zu verwandeln. Doch bis heute setzen die Hersteller von Messern auf ihre lange Tradition in der Kunst der Messerherstellung, wenn es um das Renommee geht.

Dabei kommt es nicht nur auf die Schärfe und Widerstandsfähigkeit der Klinge an. Das Messer insgesamt ist ein Kunstwerk für den handwerklichen Gebrauch. Klinge und Schaft müssen eine Einheit bilden, das Messer muss ausgewogen sein und gut in der Hand liegen. Dazu muss es bei der Arbeit von selbst laufen.

Doch auch diesseits der Küchenkulissen, am gemeinsamen Esstisch, ist die Gefahr, die vom symbolisch domestizierten Messer des Essbestecks ausgeht, immer noch zu spüren. Noch immer gibt es Relikte, die den heutigen Esser an die doppelte Wahrheit von Werkzeug und Waffe erinnern. Sie sollen ausschließen, dass das Messer als Waffe bei Tisch Verwendung findet, um Gefahr von den um den Tisch versammelten Essern abzuwehren. In Ostasien kommen immer noch die Speisen zerkleinert in die Schüsseln, welche dann mit Hilfe harmloser Holzstäbchen geleert werden. Aber auch bei uns gilt das Verbot, den Fisch mit einem Messer zu zerschneiden, weshalb ein ungefährliches Fischmesser gereicht wird und es ist – Wunder über Wunder in unserer aufgeklärten Zeit – immer noch weit verpönt, Kartoffeln mit dem Messer zu zerkleinern oder seinem Frühstücksei den „Kopf“ abzuschlagen.

Doch das Risiko des Messers lohnt, schließlich merken wir schon im täglichen Gebrauchs des Messers, beim Schälen einer Kartoffel oder dem Zerteilen eines Apfels: ohne Messer kein Kochen.

Linktipp:
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