Viele kulinarischen Wege führen zu ihm: Ralf Bos

Viele kulinarischen Wege führen zu ihm: Ralf Bos | © Bos Food & Jörg Strombach

Ralf Bos

Unvergessliche Geschmackserlebnisse

Genussbotschafter und Trüffelpapst

Muss man einen Menschen vorstellen, der schon in der Hall of Fame der Kulinaristik unseres Landes verewigt ist? Gastrosophisch schon. Zumal Ralf Bos eben nicht den geraden Weg gegangen und seine Metarmophose zum Aufklärer des Geschmacks eine lehrreiche ist.

 

Es steht lange Zeit nicht fest, was er beruflich machen wird. Im Nachhinein erinnert sein Werdegang an die Trüffelsuche, denn die Wege der Trüffeln und die Wege zu ihnen sind bekanntlich auch keine direkten. Und beides, Beruf wie Trüffelleidenschaft, sind so prägend, dass Dieter Müller, unser Patron éditorial, diesen Mann in keinem seiner Kochkurse unerwähnt lässt. Doch greifen wir nicht vor.

Nach dem Schulabschluss absolviert Ralf Bos eine Ausbildung zum Koch und schult danach zum Restaurantfachmann um. Es folgen Anstellungen als Barkeeper, Oberkellner, Sommelier und Restaurantleiter bei europäischen Top-Adressen der Gastronomie. Durch ein Angebot von Ralph Siegel erhält er gar die Möglichkeit, sein Organisationstalent auf einem gänzlich anderen Gebiet unter Beweis zu stellen: 1984 wird Ralf Bos Tourmanager der Siegel´schen Popgruppe „Wind“. Ein Jahr später gründet er eine Gesellschaft zum Vertrieb von Kommunikationstechniken, die er 1990 profitabel verkauft. Und dann, noch keine dreißig Jahre alt, stellt sich ihm die altbekannte Frage: Was tun?

Da liefert ihm der Zufall einen Fingerzeig - in Form einer Palette kanadischen Wildreis, die plötzlich vor ihm stand und verkauft werden wollte. Ralf Bos nutzt seine ausgezeichneten Kontakte zur Spitzengastronomie um dieses besondere Produkt anzubieten. Seine freundliche und überzeugende Art, seine Kenntnis um das Produkt sowie das Verständnis für die Belange der Spitzengastronomie öffnen ihm alle Türen und plötzlich kommen Anfragen von Köchen nach weiteren hochwertigen Produkten. Es scheint, als hätte sich das Lebensthema für Ralf Bos wie von selbst gefunden. Nach dem kanadischen Wildreis steht im Handumdrehen Basmatireis zu Hause, dann roter Reis aus der Camargue und er merkt, dass gute Produkte in der Sterne- und gehobenen Gastronomie händeringend gesucht werden. Also besorgt Ralf Bos Safran der Spitzenqualität und entwickelt sich zum Fachmann in Sachen Morcheln. Und noch einmal ein Fingerzeig des Zufalls, der sich dieses Mal in dem stark wachsenden Interess an Trüffeln der Spitzenqualität ausdrückt.

Natürlich kennt Ralf Bos schon den Zauber und den wunderbaren Geschmack der Périgord- und Piemont-Trüffel, aber nun tritt die Trüffel auf eine andere Art in sein Leben. Und es geschieht ganz so wie es die erfahrenen Trüffelsucher berichten: Die erste Trüffel, die du in deinem Leben suchst, siehst du nicht, sie gibt sich dir zu erkennen. Ralf Bos entdeckt das Faszinosum dieses wertvollen und begehrten Schlauchpilzes und dass die Trüffeln einfach von Anfang an Spaß und Vergnügen bereiten. Diese Begeisterung hat nicht nur sein Sensorium für Trüffeln erheblich erweitert, sie hat eine Leidenschaft entfacht, die jetzt schon über 20 Jahre ungebrochen anhält. Kein Wunder, dass das Standardwerk „Trüffel und andere Edelpilze“ aus seiner Feder stammt. Bos ist „der“ Fachmann für Trüffeln und importiert mittlerweile Trüffeln nicht nur aus Frankreich und Italien sondern auch in ausgezeichneter Qualität aus Australien.

Geschmackserlebnisse teilen

Ralf Bos verfügt über ein sprichwörtliches sonniges Gemüt, denn er ist ein Mann, der weiß, dass er seinen Traum leben kann. Er lebt für und durch den Geschmack. Die besten kulinarischen Produkte sind sein Ansporn und seine Verpflichtung zugleich. Ein Segen, dass dieser Mann versteht zu teilen. Er überzeugt mit seinem Wissen nicht nur in seinen Büchern, sondern ist zugleich Redaktionsleiter der Zeitschrift „Port Culinaire“. Ebenso begeistert er ein Auditorium durch seine Vorträge und ist im wahrsten Sinne ein Aufklärer des Geschmacks.

So ist es Verdienst wie Ehre, dass ihn die Gastronomie- und Food-Branche 2012 zum „Grand Seigneur des Jahres“ wählte. Doch Ralf Bos will nicht nur für Geschmack und kulinarische Spitzenleistungen begeistern, sondern setzt sich mit hohen persönlichem Engagement für notleidende Menschen ein. Er gründet die Initiative „Spitzenköche für Afrika“ unter der Schirmherrschaft von Eckart Witzigmann, dem „Koch des Jahrhunderts“, und sammelt innerhalb von nur 100 Tagen eine Spende von 265.000 Euro, die an die Äthiopienhilfe von Karlheinz Böhm übergeben werden. Der Erfolg der „Spitzenköche für Afrika“ war Ansporn für alle Beteiligten, das Projekt weiter zu betreiben. Nun werden ‚auf diese Weise Bildungsprojekte in Afrika und Bangladesch unterstützt und der Bau von Schulen finanziert.

Nicht zuletzt spricht es für den dreifachen Vater, dass er sich für das sonntägliche Familienfrühstück stets einige Trüffeln reserviert. Auf diese Weise versammelt er nicht nur seine Liebsten um sich, er macht etwas Besseres: er vermittelt den Spaß am Genuss. Es müssen natürlich keine Trüffeln sein, aber im Fall von Ralf Bos ist das etwas anderes. Ihm geht es um gute Produkte und das Vergnügen sie zu schmecken, ihm geht es um Neugierde und den Eifer, das Beste zu finden. Letztlich sind das jene Eigenschaften, die seine Trüffelnase sprichwörtlich gemacht haben. Und bei allem sozialen, wirtschaftlichen, kulinarischem und gastrosophischen Erfolg: Es ist das, was den Menschen Ralf Bos auszeichnet.

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