Ein Topf ist ein Topf ist ein Topf - bis heute.

Ein Topf ist ein Topf ist ein Topf - bis heute. | Quelle: Wikipedia

©Von Rod Waddington from Kergunyah, Australia - Cooking Pots on Charcoal, Yemen, CC BY-SA 2.0, commons.wikimedia.org/w/index.php

Topf

Feuer geborenes Urgefäß

Ein Topf ist ein Topf ist ein Topf

Der Topf ist vielleicht das Gefäß aller Gefäße in unserer Kulturgeschichte. Er ist ein sicherer Ort der Verwahrung und ein Werkzeug der Nahrungszubereitung.

In der Oeconomischen Encyclopädie von J. G. Krünitz aus dem frühen 19. Jahrhundert liest sich das so: „ein hohler, besonders halbkugelicher cylindrischer Raum, sowohl einen andern Raum damit zu bedecken, als auch etwas darin aufzubewahren oder aufzubehalten.“

Dieser besondere Wert des Topfes wird auch in einer Vielzahl von Sprachbildern und Redensarten „aufbewahrt“, die in allen europäischen Sprachen zu beobachten sind. Man lässt sich nicht gerne in den Topf schauen, wird aber von der Hoffnung getragen, dass sich für jeden Topf schon der passende Deckel finde. Auch die Zahl der Komposita mit Topf spricht für die Wirkungsmacht des Urgefäßes vom Topfgucker bis zum eintopfen. Niemand lässt sich gerne von den Fleischtöpfen vertreiben und jeder öffentliche Haushalt weist umgangssprachlich seine Geld-Töpfe aus.

Der Topf zählt zudem menschheitsgeschichtlich zu den ersten technischen Zutaten, die nach der Nutzung des Feuers entstehen. Der Topf macht das Kochen kontrollierbarer, indem er die Hitze verteilt und bewahrt sowie das gleichmäßige Garen oder Schmoren der enthaltenen Speisen gewährleistet. Noch bis heute bestechen einige Gerichte dadurch, dass sie nur einen Topf benötigen wie das pot au feu oder eben der Eintopf. Andererseits gibt es auch den einen besonderen Topf für das eine besondere Nahrungsmittel. So führt beispielsweise die Oeconomischen Encyclopädie schon „Kochtöpfe, Kaffeetöpfe, Salztöpfe, Milchtöpfe, Buttertöpfe und Einmachetöpfe“ auf. Dabei wurde der Topf früher – also in der Zeit des Kochens über offenem Feuer und nicht am planen Herd – aus Topfstein genannten Speckstein hergestellt, bevor die Töpfe aus Metall oder Kupfer für jedermann erschwinglich wurden.

Neben der Nahrung bewahrt der Topf auch Wunderbares für uns auf. Im Märchen „Der süße Brei“ steht er für ohne Mühe und im Überfluss verfügbare Nahrung. Seine unendliche Fülle trägt jedoch auch die Katastrophe einer Hirsebreiflut in sich. Noch Wundersameres bietet der „Goldene Topf“ bei E.T.A. Hoffmann auf. Er hält die Zutaten einer ganz anderen, phantastischen Welt bereit und ist damit Symbol der romantischen Versuchung schlechthin.

Wer die Prospekte heutiger Topfhersteller studiert, den wird die Vielfalt der Töpfe verwundern, aber er wird auch merken, dass er bis heute das hohle, cylindrische, halbkugeliche Gefäß geblieben ist. Ein Topf ist halt ein Topf ist ein Topf.

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