Eric Menchon. Küchenchef im  „Le Moissonnier“

Eric Menchon. Küchenchef im „Le Moissonnier“ | © Tartuffel

Eric Menchon

Seine Kochkunst lässt ein Bistro im Glanz von zwei Sternen leuchten

Kulinarischer Dekonstrukteur

Lange war der Berufsweg von Eric Menchon unklar. Hätte er sich anders entschieden, die Welt wäre um einen grandiosen Koch ärmer und wir hätten nicht das Vergnügen, seine kulinarischen Kompositionen jeden Tag, an welchem uns das Fernweh und die Lust auf grandiose Speisen packt, neu zu probieren.

 

Neu ist hier kein Füllwort, neu ist Programm. Denn Eric Menchon entwickelt kulinarische Kompositionen in einer Geschwindigkeit, die den Betrachter schwindelig werden lässt. Dabei geht es ihm gar nicht um permanente Veränderung sondern um stetige Verbesserung und – na gut – das beständige Spiel mit neuen kulinarischen Ideen.

Der Sohn französischer Eltern, die lange Zeit in Marokko lebten, wird in Aix-en-Provence geboren und wächst im südfranzösischen Örtchen Pertuis auf. In der Schule läuft es eher unmotiviert und einmal auf der Hotelfachschule Lycée Hôtelier de Nice angekommen, muss er sich entscheiden, ob er lieber vor oder hinter der Küchentür arbeiten will. Er entscheidet sich für die Ausbildung zum Koch und zum ersten Mal sind seine Noten bestens. Menchon merkt, dass ihn nicht nur die guten Noten motivieren, sondern dass er Kochen als eine wunderbare geistige Herausforderung versteht. Plötzlich reizt ihn etwas: Kochen macht ihm Spaß und er möchte Spaß daran haben, sich am Herd weiter zu entwickeln.

Kulinarische Veränderungen

Doch ohne Beziehungen ist es zu jener Zeit in Frankreich schwierig, in ambitionierten oder sternedekorierten Küchen unterzukommen. Zunächst arbeitet Menchon in Aix en Provence, danach in Marseille. Als er erkennt, dass er weder hier noch im Rest Frankreichs die Möglichkeit zur kulinarischen Entfaltung bekommt, beschließt er die Welt kochend zu bereisen. Wohin aber soll die Reise gehen? Nordamerika wäre verlockend, vielleicht aber auch Südamerika. Australien sicherlich eine Entdeckung wert. Er  möchte Erfahrungen kochend sammeln, die Vorstellung einer Reise von einigen Monaten, vielleicht etwas länger schwebt ihm durch den Kopf.

Eric Menchon gibt eine Annonce auf und wartet auf die Antworten aus aller Welt. Doch die Welt weiß noch nichts von Eric Menchon, so erhält der Jungkoch lediglich zwei Antworten, eine aus England und eine aus Köln. Da er in der Schule etwas Deutsch gelernt hat, beschließt er das Angebot aus Deutschland anzunehmen, so könne er ganz nebenbei in den paar Monaten seines Aufenthalts sein Deutsch verbessern. Mit 23 Jahren kommt er am Kölner Hauptbahnhof an und wird von Vincent Moissonnier in Empfang genommen. Es ist der Beginn einer kongenialen Partner- und nun schon sehr lange wärenden Freundschaft.

Die Küche im Restaurant ist zunächst sehr klein, es gibt nur einen weiteren Mitarbeiter, einen kleinen Herd und ganz gewöhnliche Kühleinheiten. Doch schnell wird klar, dass Menchon in Vincent Moissonnier nicht nur einen Partner und Freund gefunden hat, sondern auch einen Menschen, der seine Visionen teilt und mit ihm zusammen die Bistrokarte erweitern und verbessern möchte. Gleichzeitig aber soll das Restaurant selbst nie seine Lockerheit verlieren. Die Gäste sitzen hier an kleinen Bistrotischen, es wird geredet und gelacht. Man kommt um zu essen, aber nicht nur wegen des Essens.

Die Küche wächst und mit ihr die Kreativität des Kochs. Menchon hat plötzlich den Kopf frei, um seine Ideen entwickeln zu können. Nicht nur die Speisen und ihre Zubereitung, sondern auch ihre Präsentation auf den kleinen Tischen sind eine Herausforderung, die der Koch in Absprache mit dem Restaurantleiter vorbildlich meistert. Schnell spezialisiert man sich auf Teller für das Hauptprodukt und Satellitenteller für Saucen und Beilagen und avanciert zum Vorreiter dieser heute weit verbreiteten Maßnahme.

Seit 2008 wird die Küche des „Le Moissonnier“ mit zwei Michelin Sternen ausgezeichnet. Dabei ist ein Besuch des Restaurants weiterhin von einem lockeren Gestus geprägt. Fast so, als würde man einfach in ein Bistro gehen. Fast: Der Service ist zuvorkommender, die Speisekarte ausgefallener und die Gerichte, die Eric Menchon seinen Gästen anbietet, stammen von einem anderen Stern (nein, wir reden jetzt nicht über den 3.). Die Reise, die Eric Menchon vor 28 Jahren angetreten hat, ist noch lange nicht zu Ende, auch wenn er sein Deutsch mittlerweile längst perfektioniert hat.

Linktipp

Le Moissonnier



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