Cover des besprochenen Buches (Ausschnitt) |© DuMont Verlag

Gin, Leiche, Liebe

Der Wermut des Lebens

Kulinarische Krimis zu schreiben ist eine Kunst, die Roald Dahl nur in einer Kurzgeschichte zu erzählen vermochte: Lamb to the slaugther. Carsten Sebastian Henn versteht sich in diesem Sujet so vorzüglich, dass er sich daran macht, bald so viele Bücher veröffentlicht zu haben, wie sein englischer Kollegen Kurzgeschichten. Und nein: Im „Gin des Lebens“ wird niemand mit einer Lammkeule ermordet. Auch wenn es eine Leiche gibt.

Carsten Sebastian Henns "Gin des Lebens"

Zugegeben: Manches Mal fragt man sich ja allen Ernstes, was wohl der Gin des Lebens sein könnte. Besonders, wenn man eine Sinnkrise hat. Und genau diese Sinnkrise löst die Erzählung aus. Denn just in dem Moment, als Bene Annika einen Heiratsantrag machen möchte, kommt diese ihm zuvor und beendet die Beziehung. Zwei Menschen, die anscheinend in unterschiedlichen Welten lebten. Eine Erschütterung, die ohne Zweifel eine Sinnkrise auslösen kann. Wäre da nicht der Alkohol, der in diesem Fall weniger Halt als ein Geheimnis verspricht. Denn an diesem Abend – später nach einem Autounfall und einer Wut auf die Welt - probiert Bene einen Gin. Und es ist eher dem Zufall zu verdanken, dass er ihn probieren kann, denn zunächst wollte er die Flasche in seiner Wut gegen die Wand werfen. Sein Vater hatte diesen Gin gebrannt und – so wird es Bene klar – sein Vater verbrachte wesentlich mehr Zeit in seiner Destillerie, als mit seinem Sohn. 

Doch dann probiert Bene den Gin und wie von Geisterhand sind alle bösen Geister vertrieben. Der Gin ist unwahrscheinlich gut und er ist in der Tat das Vermächtnis des Vaters an seinen Sohn, die Essenz seiner Geheimnisse: Der Gin seines Lebens.

Und Bene schmeckt, wie stolz er auf einmal auf seinen Vater ist, denn er hat in seinem Leben eines wirklich richtig gemacht, genau diesen Gin. Nur leider hat er kein Rezept hinterlassen und auch seinem Sohn nie von den Zutaten und ihrer richtigen Verarbeitung für einen perfekten Gin erzählt.

Reise zu den Wurzeln des Gins

Noch in derselben Nacht macht sich Bene auf, um mehr über Gin im Allgemeinen und den perfekten Gin im Besonderen zu erfahren. Bewegung, besonders die im Auto spielt in Benes Leben eine große Rolle, denn er ist nicht nur ein Autoliebhaber, eine Passion, die er von seinem Vater geerbt hat, er ist auch gerne unterwegs. Vor allem möchte er gerne eine Distanz zwischen sich und seine Mutter legen, von der es im Roman heißt: „Manche Menschen lebten im falschen Körper, Benes Mutter lebte im falschen Land.“ Denn sie wäre gerne eine Französin und verpasste ihrem Sohn daher auch den Namen Benoit. Ein Name, der Bene aber eher an ein Schnitzel Béarnaise denken und die Distanz zwischen Mutter und Sohn offensichtlich werden lässt. Nun aber muss er zu ihr, um eine Spur zu den Geheimnissen des Gins zu finden. Denn Benes Mutter hat alle Utensilien seines Vaters sorgfältig aufbewahrt. So kann Bene ein kleines Notizheft finden. Sparsam beschrieben, denn Benes Vater legte seine Worte stets auf eine Goldwaage, bevor er sie aufschrieb oder überhaupt redete. Doch die Hinweise führen ihn nach Südengland, genauer gesagt nach Plymouth in das wunderschöne Callaghan´s Bed&Breakfast. Hier trifft er auf Cathy Callaghan. Und bald stellen Beide fest, dass sie mehr verbindet, als das Interesse am Gin. Abgesehen von der Leiche, die gerade in Cathys Garten gefunden wurde, beginnt für sie nun eine Reise zu neuen Erkenntnissen in Sachen Ginherstellung und in ihre Vergangenheit zugleich.

Rezepturen und Hintergrundwissen

Der Gin des Lebens ist nicht nur ein interessanter Kriminalroman. Henn gibt seinen Lesern mehr mit auf den Weg, als nur einen spannenden Plot, ein Kriminalstück und eine Liebesgeschichte. Der Leser bekommt jede Menge Hintergrundwissen zu Gin, seiner Geschichte, seiner Herstellung, den unterschiedlichen Botanicals und den besten Gin-Rezepten – nicht nur für Getränke. Während einer Lesepause kann man sich passend zur Lektüre Lachs mit Tomaten Gin-Sauce zubereiten und nach dem Mahl die Lektüre mit einem Gin fortsetzen. Auf jeden Fall empfehlenswert: Die Queen Mum Cookies, wenn man da der Insel nicht näher kommt, hilft auch kein weiterer Gin mehr.

Und es gibt noch einen Grund, weshalb man dieses Buch lieben muss: Es sind die passend ausgewählten Zitate, die Henn seinen Kapiteln voranstellt. Hier eine kleine Kostprobe:

 „Erlauben Sie Kindern nicht, Drinks zu mixen. Es gehört sich nicht, und sie nehmen zu viel Wermut.“ Fran Lebovitz

 

Tartuffel empfiehlt:

Carsten Sebastian Henn: Der Gin des Lebens. DuMont Verlag Köln 2020, 336 Seiten mit Glossar und Ginrezepten, 16,00€

Und wer nicht selbst lesen will, der kann den ganzen Roman auch einfach hören, denn er ist bei KBV als Hörbuch erschienen: Der Gin des Lebens - Hörbuch. 

 

 

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