Cover des besprochenen Buches (Ausschnitt) |© Nünnerich-Asmus Verlag

Cover des besprochenen Buches (Ausschnitt) |© Nünnerich-Asmus Verlag

Weinwissen fundiert vermittelt

 

Als Hobbywinzer versuche ich, zusammen mit zwei weiteren Weinfreunden, der Professionalität in der Weinbereitung immer näher zu kommen. Wir nennen uns „Jungwinzer“ vereinen aber mehr als zweihundert Lenze auf dem ewigen Kalender. Unsere, zu Beginn des Hobbys, designierte Weinkönigin ist bereits verstorben und wir haben beschlossen, die Inthronisation erstmal nicht weiter zu verfolgen. Wenn das Wetter mitspielt, bringen wir einige ehrliche und leckere Tropfen in die Flaschen. Trocken ausgebaut in Ballons erstaunen diese so manchen Profi. Und Fragen nach der Zusammensetzung unserer Spritzungen gegen Krankheiten der Reben beantworten wir mit Rezepten für Backpulver - und Magermilchzubereitungen unter Zuhilfename von Rapsöl. Also, etwas Ahnung entdecke ich bei mir.

 

Wissen für Hobbywinzer und professionelle Weinmoderatoren

 

Doch dieses praktische Wissen will ergänzt und erweitert werden. Und nach der Zäsur, die die Flutkatastrophe für mich, der ich meine Reben im unteren Ahrtal angepflanzt habe, bedeutet, wird es Zeit, sich nach den langen Monaten des Aufräumens und Ordnens auch mal wieder auf Lektüre zu konzentrieren. Besonders, wenn diese in praktischen Dingen fundiert weiter zu helfen weiß und durch Inhalt und Gestaltung Weinwissen fundiert vermittelt.

Ich komme bei dieser Buchvorstellung um eine Inhaltsangabe nicht herum, denn hier sind bereits alle Aspekte des Weingenusses in sehr unterhaltsamer Schreibweise und bildlicher Darstellung überzeugend vereint. Cartoons wechseln mit historischen Abbildungen, modernen Tabellen und Grafiken. Niemals überladen und im Text integriert, tragen sie zum ermüdungsfreien Lesen bei. Und das ist der Gestaltung des Buches durch Manuela Wirtz und Hans Jürgen Wiehr zu verdanken. Die Nennung der Namen ist Pflicht. Jedes Kapitel wird auch wissenschaftlich untermauert, und zwar von Frauen und Männern der Deutschen Weinakademie. Es geht also um Wein und Jugend, Frauen und Schwangerschaft, Senior*innen, Speise, Verkehr, Sport, Arbeit, Tages - und Jahreszeiten.

 

Vom Wissen des Winzers zum Wunsch des Weinkönigs

 

Nochmal zurück zu Weinmajestäten: Wenn ich Weinkönig werden möchte, hätte ich mit diesem Buch schon ein Wissenskompendium, das seinesgleichen sucht, vermutlich aber nicht finden wird. Keine trockene Theorie, sondern fruchtige Bereitstellung aller Aspekte rund um Wein und den damit verbundenen Kult. Auch für Weinmoderationen und Seminare, die in der Onlinezeit, besonders im Ahrtal, nach der Flutverheerung, so wichtig wurden, ist dieses Buch unentbehrlich, um die kniffligsten Fragen, fundiert zu beantworten. Psst! Beim Seniorenkapitel habe ich die wenigen Nachteile des Weinkonsums geschwärzt. Alles Vorurteile UND! Ich werde nur in einem Altenheim wohnen, in dem auch Wein zum Essen ausgeschenkt wird, die Stones über die Lautsprecher zu hören sind und eine Wehlener Sonnenuhr tickt. Und in dem nicht gilt: Saufst: schdirbst d`- Saufst net: schdirbst d`aa: also saufst d`! Rudolf Nickenig wird schmunzeln und vielleicht erwägen: „Nunc est bibendum.“ Genau, recht hat er, darauf jetzt einen Flutwein aus 2021, ist ja schon nach 17.00 Uhr und schließlich hilft der trinkende Genießer auf diese Weise der immer noch arg gebeutelten Ahrregion. Getreu der Stellungnahme von Linda Kleber: „Die Weinkultur ist das Herz unseres Ahrtals. Schon immer haben wir Gastronomen und Winzer zusammengehalten. Gerade jetzt gilt es für uns, das kulturelle Erbe unserer Region gemeinsam wieder aufzubauen“. Das Erbe für alle Weinregionen fortzuführen, führt zu der Gewissheit: Wein ist Gemeinsinn! Wein ist Genuss! Oder, um es mit dem Titel dieses empfehlenswerten Buches zu sagen: Wein ist Kult!

 

Tartuffel empfiehlt:

Deutsche Weinakademie (HG.): Rudolf Nickenig: Wein ist Kult! Heilen - Berauschen – Genießen. Trinkmuster im Wandel der Zeit, Nünnerich-Asmus Verlag 2020, 184S., geb., 25,00€

 

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