Begehrter Speisepilz

Begehrter Speisepilz | © Meik Halbach

Deutsche Trüffelhauptstadt Sinzig

2002 macht Jean-Marie Dumaine in den Wäldern um Sinzig einen erstaunlichen Fund. Zusammen mit seinem Hund Max findet er in den Hängen des Ahrtals Burgunder-Trüffeln. Ich hatte das zwar registriert, hörte aber erst richtig auf, als in Sinzig das erste Trüffelsymposium angekündigt wurde. Das war 2006.

Das 9. Symposium des Ahrtrüffelvereins

Trüffelsachverständige aus Frankreich hatten bereits nach dem ersten Trüffelfund darauf hingewiesen, dass Trüffeln in dieser Gegend sicherlich öfter vorkommen müssten. Langsam reifte die Erkenntnis, dass auch in Deutschland Trüffeln direkt unter unseren Füßen gedeihen. Doch erst im September 2006, als ich in Sinzig wieder mal das einzigartige Kräuterrestaurant „Vieux Sinzig“ besuchte, erfasste mich das Trüffel-Fieber. Jean-Marie Dumaine, der Inhaber des „Vieux Sinzig“, war in Hektik, also im Normalzustand, und bat mich für das  1. Trüffelsymposium im Sinziger Schloss die noch fehlende Begleitvegetation herzurichten: einige Zweige von Hasel, Eiche, Rotbuche, Schwarzdorn und Wildapfel als Schmuck und Anschauungsmaterial in der Bodenvase am Eingang.

Trüffelsymposium? Ich verstand nicht „Bahnhof“ sondern „Trüffelsymposium“ und mir wurde  klar, dass ich irgendetwas in den vergangenen Jahren und Monaten überhört hatte. War da wirklich etwas dran, an dem Trüffelfund in der Gegend von Sinzig? Jean-Marie hatte bereits auf unserer gemeinsamen Fahrt nach Österreich zum Paradeiserkaiser Erich Stekovisc das Trüffelthema ständig angeschnitten, aber ich hatte wohl welche in den Ohren gehabt.

Das 1. Trüffelsymposium 2006

Ich besorgte die Zweige der trüffelrelevanten Bäume und fand mich am 3. Oktober 2006 plötzlich bei einem verblüffenden Ereignis wieder: dem  1. Trüffelsymposium in Deutschland. Zusammen kamen Spezialisten aus der Trüffelgilde Europas, wie Dr. Jean-Claude Pargney von der Universität in Nancy und Gérard Meunier, dem Vorsitzenden der Lothringischen Trüffelvereinigung, und heimische Experten wie Ralf Bos, der umfassende Kenner der Trüffelmärkte Europas, dessen Gespür für Köstliches bis in alle Trüffelregionen der Welt reicht. Inzwischen hat Ralf das wohl am meisten verkaufte und gelesene Fachbuch über Trüffeln und andere Edelpilze geschrieben. Und er ist nicht einzig der Trüffelrunde geblieben, der mit Buchveröffentlichungen zum Thema auf sich aufmerksam gemacht hat. Nicht zuletzt das mehrfach ausgezeichnete „Trüffeln – die heimischen Exoten“ von Jean-Marie Dumaine und Nikolai Wojtko ist an dieser Stelle zu nennen.
 
Mein Problem damals: Ich hatte an diesem Tag schon einen anderen Termin geplant und konnte das inzwischen legendäre Trüffelmenü nicht genießen. In den folgenden Jahren ließ ich mir dieses nicht mehr entgehen. Meine Mitgliedschaft bei dem inzwischen gegründeten Verein "Ahrtrüffel"  erwarb ich mir durch eifrigen Arbeitseinsatz auf der Truffière, dem Trüffelgarten, die der Verein im November 2006 anlegte und mit über zweihundert, Myzel infizierten Setzlingen, die Gérard Meunier in Lothringen keimen ließ, besetzte. Sowohl die Samen, als auch die zur Impfung benötigten Trüffeln stammten aus unserer Gegend.

Wissen um Trüffel

Ich begann mich für die schwarzen Knollen zu interessieren und merkte bald, dass ich ohne Wissen um das Pilzreich den Trüffeln als Schlauchpilze nicht gerecht werden konnte. So entschloss ich mich, in dieses Thema einzuarbeiten und legte 2007 die Prüfung zum Pilzsachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie ab. Inzwischen habe ich unseren Verein mit Vorträgen in Budapest, im französischen Uzès und während der heimischen BUGA vorgestellt, bei denen ich auch - nie ohne Wirkung - die beeindruckenden Sporenbildern von Karin Lüer vom Genetischen Institut in Mainz zeige. Ich bin Trüffelaner geworden und etwas stolz darauf, an der Vermehrung des Wissens über diese phantastischen Pilze beteiligt zu sein.

Diese Jahr also: Das 9. Trüffelsymposium im Sinziger Schloss. Einleitend berichte ich während der Tafelrunde am Vorabend über die Entwicklung unseres Trüffelgeländes. Auch in diesem Jahr kann sich das Publikum über hochkarätige Referenten freuen. Neben Professor Thomas Vilgis sind dies unter anderem Ralf Bos, Peter Reil, Referent der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und der Präsident des Ahrtrüffelvereins Jean-Marie Dumaine. Peter Reil wird über „Trüffeln - Originale und Fälschungen“ Auskunft geben. Ralf Bos wird das Thema Trüffeln sehr anschaulich als ein generationenübergreifendes Geschäft erläutern. Professor Thomas Vilgis analysiert das Thema Trüffeln im Zusammenhang der „Passion zwischen Küche und Chemie“, während Jean-Marie Dumaine praktische Erläuterungen zur Lagerung und Verwendung von Trüffeln in der Küche geben wird.

Für das leibliche Wohl der Gäste und Referenten ist durch das Team des Vieux-Sinzig gesorgt. Am Abend wird es ein getrüffeltes Buffet-Menü im Schloss und im Anschluss an das Symposium am 3. Oktober ein ausgiebiges Trüffelmenü im fußläufig erreichbaren Restaurant Vieux-Sinzig geben.

Restkarten für die Tafelrunde am 02. Oktober und das Trüffelsymposium sind über den Ahrtrüffelverein reservierbar.

Mehr zur Veranstaltung und den Ahrtrüffelverein im Internet

Homepage des Ahrtrüffelvereins e.V.
Karten für die Veranstaltung erwerben

Flyer zum 9. Ahrtrüffelsymposium

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