Mittagessen - Essen to go

Mittagessen - Essen to go | © Tartuffel

Mittagessen

Unsere moderne Zeit charakterisiert sich gerne dadurch, dass sie vorgibt, für nichts Zeit zu haben. So haben wir weder Zeit für Gespräche, noch für die so wertvolle wie fast vergessene Muße.

Eine der skurrilsten Auswüchse des sprachlichen Paradoxons „keine Zeit Habens“, ist das „Essen to go“, auf Deutsch am besten mit „Essen zum Weglaufen“ übersetzt. Das „Essen to go“ reduziert das Essen auf schlichte Nahrungsaufnahme.

Sich Zeit nehmen um Anregung zu schöpfen

Denn wer keine Zeit zum Essen hat, dem entgeht etwas Wertvolles. Die Ruhe zum Genuss und die Zeit zum Gespräch, welches ein gutes Essen begleiten und zu etwas Besonderem aufwerten kann.

In einer zeitlosen Zeit ist es sinnvoll, sich Zeit zu nehmen, einfach schon im eigenen Interesse. So wird die Zeit ein kleiner persönlicher Luxus. Nützlich ist es dabei, sich der guten alten Institution des Mittagessens zu erinnern. Denn mit dem Mittagessen ergibt sich die erste institutionalisierte Möglichkeit eine Pause in den stressigen Alltag einzuschieben. Dies sollte man nicht nur als reinen Luxus verstehen, sondern auch als willkommene tägliche Chance, um mit Kollegen anders über Dinge zu reden. Das Mittagessen kann einen verändern, entspannen und zu einer anderen Sicht auf Probleme führen.

Einer der gewichtigsten Vertreter zum täglichen Mittagessen war der Gourmetkritiker des New Yorker Magazins A.J. Liebling. Er schrieb seine zeitlosen Essays über kulinarische Erlebnisse in Paris nach eigenem Bekunden, da er jeden Tag die Chance nutzte, sowohl mittags als auch abends ausgiebig Essen zu gehen. Liest man seine Texte, dann bedauert man noch heute jedes ausgelassene Mittagessen. Denn auch ohne – wie bei Liebling in einer allerdings untergegangenen Epoche vor mehr als einen halben Jahrhundert - mehrgängiges Menü mit imposanter Weinbegleitung, kann das Mittagessen eine Bereicherung, eine Erholung und eine tägliche Anregung darstellen.

Mit dem Mittagessen kann man im wahrsten Sinne des Wortes Anregungen und neue Ideen schöpfen.

Mehr auf Tartuffel

Wir alle kennen das Problem: Unsere moderne Gesellschaft verlangt nach immer mehr Gegenwart. Alles soll jetzt und sofort passieren. Dabei handelt es sich nicht nur um die Erfordernisse vielschichtiger Arbeitsprozesse, vielmehr stellen wir…

Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ zählt zu den Klassikern gastrosophischer Literatur. Gastautorin Martina Kopf erklärt uns noch einmal warum - selbst wenn der Tee nicht schmeckt.

Literatur und die zeitlose Realität der Erinnerung

Auf der Suche nach der Verflossenen

flüssig und grundlegend, hell oder dunkel

Lässt den Wert der Zeit schmecken

Der Snob hat mit gutem Geschmack genau so wenig zu tun, wie das Essbesteck mit der Qualität der Speise. Kaum ein literarisches Werk zielt treffsicherer auf die eingebildete Urteilskraft des Menschen als William Makepeace Thackerays „Buch…

Meister der gastrosophischen Beschwörung

Marcel Proust entdeckt das Gedächtnis des Schmeckens

Als wäre es eine eigene Rasse. Dieser Klang schwingt mit, wenn vom Mieral-Huhn die Rede ist. Aber das Unvergleichliche dieses Geflügels ist keine Frage der Zoologie sondern die angewandte Philosophie eines einzigen Mannes: Jean-Claude…

Der Klassiker von Francis Scott Fitzgerald scheint so aktuell wie nie. Gleich in vier neuen Übersetzungen ist der Roman „Der große Gatsby“ in den vergangenen Monaten erschienen. Es wird also Zeit, sich die besten Verfilmungen dieses…

„Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot backen.“ Doch nach Lektüre des „Brot Back Buches“ von Lutz Geißler, kommt man sich nicht so vor, denn hier schreibt ein Hobbybäcker, Autodidakt und Brotenthusiast über seine Leidenschaft…