Aromenwunder

Ich gestehe, ich hatte noch nie zuvor von ihr gehört und wusste nicht, was das überhaupt ist, eine Tonka­bohne. Ohne Frage ein lautmalerischer Name, der so allerhand assoziieren lässt. Tonka erinnert an Wonka, Willy Wonka, den skurrilen Schokoladen­fabrik­besitzer aus dem Kinder­buch­klassiker von Roald Dahl.

Zu Unrecht unbekannt - Die Tonkabohne

„Charlie und die Schokoladen­fabrik“ ist spätestens seit der Besetzung mit Johnny Depp in Tim Burtons gleichnamigen Film von 2005 bekannt.

Die Tonkabohne könnte also was mit Schokolade und Pralinen zu tun haben, wie die Wein­brandbohne. Tonka ist aber auch ein sehr bekannter Spiel­warenhersteller gewesen, der früher robuste Spiel­zeugautos aus Blech herstellte, welche mittlerweile als begehrte Raritäten gehandelt werden.

Was also ist nun eine Tonkabohne? Die Tonkabohne stammt von dem gleichnamigen Baum und wird – vergleichbar dem Kakao – der eigentlichen Tonkafrucht entnommen. Der Tonkabaum (Dipteryx odorata) stammt ursprünglich aus dem nördlichen Südamerika und finden sich heute vor allem in Venezuela sowie im westafrikanischen Nigeria. Früher wurde die Tonkabohne unter dem Namen mexikanische Vanille gehandelt und diese Bezeichnung hat einiges für sich: Das Aroma der frisch gemahlenen Tonkabohnen erinnert tatsächlich an eine Mischung aus Vanille und Muskat mit leichten Zimtanklängen. Dabei ist das Aroma auf eine leichte Art sehr intensiv.

Kakaobohne mit intensiven Aroma

Die Bohnen erinnern auch in ihrer Größe an Kakaobohnen, sind jedoch lediglich über die Apotheke zu beziehen. Denn das in den Tonkabohnen enthaltene Coumarin – welches sich beispielsweise auch im Waldmeister findet – wirkt in höheren Dosen giftig. Doch zur Verfeinerung eines Desserts braucht man lediglich eine dieser unscheinbaren Bohnen und erzielt einen Effekt, der jeden Gast begeistern wird.

Die Tonkabohne habe ich kurz vor Weihnachten bei Dieter Müller kennen gelernt. Mit einem hintergründigen Lächeln sagte er nur, dass diese Bohne wirklich jeden begeistere, der sie einmal gekostet habe. Und ohne Umschweife drückte er mir ein schweres Gefäß mit Schraubverschluss in die Hand. Als ich es öffnete, durchströmte ein beinahe hypnotischer Geruch die Küche und betörte alle Anwesenden. Selbstredend konnte kaum einer das Dessert – ein hausgemachtes Tonkabohneneis – erwarten. Doch die Wartezeit lohnte sich – nicht nur auf Grund der sensationellen Gänge, welche das Dessert zwischenzeitlich fast vergessen machten. Das Eis selber macht einen einfach glücklich. Am nächsten Tag habe ich die nächstgelegene Apotheke aufgesucht und meine Familie mit einem wirklich sensationellen Dessert beglückt.

Mittlerweile frage ich mich: Konnte es wirklich einmal ein Leben ohne Tonkabohne geben? Nein, sicherlich nicht.

 

Linktipps:

Website Dieter Müller 

Charlie und die Schokoladenfabrik

Hörbuch mit Ulrich Noethen als Sprecher

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Charlie und die Schokoladenfabrik
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