Geschmack und Weisheit

Geschmack und Weisheit | Leonardo da Vinci [Public domain], via Wikimedia Commons

Geschmack und Weisheit

Homo sapiens – weiser Mensch. Doch wie, so möchte man fragen, sind wir weise geworden? Wie haben wir die Weisheit erlangt? Natürlich wäre es schön, wenn wir alle schon unsere Weisheit mit auf die Welt gebracht haben, vielleicht aber haben wir sie doch eher mit den sprichwörtlichen Löffeln gefressen.

Was bedeutet eigentlich „homo sapiens“?

Wir nehmen ja in der Tat ab der Geburt Nahrung in uns auf. Das Neugeborene verlangt nach Sättigung und zugleich nach Nähe an der Mutterbrust. Mit dem Essen ist so stets ein Miteinander gegeben. Denn Essen – beginnend mit der Muttermilch – setzt für das Baby immer jemanden Voraus, der die Nahrung, Wärme, Geborgenheit gibt. Und der mit einem spricht. Mit der Muttermilch saugen wir sprichwörtlich die Sprache auf und entwickeln allmählich einen Blick auf unsere Umwelt. Somit ist Essen stets auch mit einem kulturellen Mehrwert belegt und es ist kein Wunder, dass wir uns gerne zum gemeinsamen Essen verabreden denn das gemeinsame Mahl ist so verstanden zuallererst kulturbildend.

Zwei der zentralen Menschheitsfragen können auf diese Weise untersucht werden: die eine Frage beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Körper und Geist, die andere fragt nach dem Sinn des Lebens. Vom Geschmack des Essens und seinen Einflüssen auf Körper und Geist kann man sagen, dass Essen für das Leben essentiell ist, vielleicht liegt hier auch ein zentraler kultureller Punkt für den Sinn des Lebens: ich esse, also kann ich denken, also bin ich. Ob Körper und Geist dabei getrennt, oder untrennbar miteinander verbunden sind, kann man über die Sinneseindrücke des Essens nicht abschließend, aber doch hinreichend erklären: erst durch die Sinneseindrücke erhält der Geist im wahrsten Sinne des Wortes seine Nahrung.

Der Mensch ist ein homo sapiens, ein weiser Mensch, da er – so die zweite Bedeutung des Wortes sapor – über Geschmack verfügt.

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