Muße sucht bewusst die Leere und die Freiheit vom Zweck, um über alle Freiheit für Kreativität und Neues zu verfügen.

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Muße

Frei von Nutzen und voller Sinn

Gastrosophische Tugend

Die Muße will nichts, um alles zu können. Sie ist – wie die Gastrosophie – im philosophischen Sinne interesselos, ist doch ihr Ziel, keines zu haben. Sie ist der Gegenentwurf zur nützlichen Geschäftigkeit und damit auch zur Arbeit, was allein einen großen Nutzen stiftet.

Die Ursprünge der Muße sind antik. So steht das lateinische „otium“ für die fruchtbare Beschäftigung mit Wissenschaft und Philosophie, sein verneinendes Gegenstück, das „negotium“, schlichtweg für Business.

 

Muße ist lehrreich und innovativ. Das griechische „σχολή“ umfasst neben der Muße noch die Bedeutungen von Studium, Schule, sogar Verzögerung und Langsamkeit. Somit ist die Muße die Mutter des Möglichkeitssinns und damit der Beginn der nach Wirklichkeit strebenden Kunst. Sie sucht bewusst die Leere und die Freiheit vom Zweck, um über alle Freiheit für Kreativität und Neues zu verfügen. In diesem Sinne ist sie auch essentielle Zutat eines jeden Rezepts und eine gastrosophische Tugend  par excellence.

Die Muße ist jedoch kein Spaß, und verhält sich zum Vergnügen wie der Comedian zum Humor, als schierer Gegensatz. Darauf machte bereits Johann Gottfried Seume vor rund 200 Jahren aufmerksam. „Sich amüsieren heißt etymologisch: die Muße loswerden. Amüsement wäre also das Vergnügen für Plattköpfe.“

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